Sonderausstellung UC 71
Die Häfen lagen kaum mehr als 20 Kilometer von der flandrischen Westfront entfernt, wo sich Deutsche und Briten zwischen 1914 und 1918 unvorstellbar blutige Kämpfe (Flanders Fields) lieferten. Die Schlachtfelder in Westflandern waren ein bedeutender Kriegsschauplatz: Bis zuletzt hatten beide Kriegsparteien aber kaum militärische Erfolge vorzuweisen – trotz monströser Abnutzungsschlachten. Hier sind eine Million Soldaten aus mehr als 50 Nationen verwundet, vermisst oder im Kampf getötet worden. Städte und Dörfer wurden in Schutt und Asche gelegt, ihre Bevölkerung über Europa und darüber hinaus verstreut. Die Zerstörung der Stadt Ypern und die brutalen Bedingungen während der Schlacht von Passchendaele (dritte Flandernschlacht) sind weltweit zu Symbolen für die Sinnlosigkeit des Krieges geworden. Mit Denkmälern, Museen, Friedhöfen und unzähligen individuellen Erzählungen zeugt die europäische Region noch heute von dieser Geschichte.
In Brügge, das jetzt vor allem für seine historische Altstadt bekannt ist, hatte UC 71 seinen Liegeplatz. Kaum einige hundert Meter nördlich der Altstadt befindet sich ein Hafen, von dem aus geradewegs ein Kanal ins rund 15 Kilometer entfernte Zeebrügge führt. Von dort erreichten die in Flandern stationierten deutschen U-Boote den Ärmelkanal, durch den sie in ihre Einsatzgebiete im Atlantik oder an englische, irische und französische Küsten fuhren. UC 71 versenkte zwischen 1916 und 1918 unter Einsatz von Torpedos, Seeminen und Sprenggranaten insgesamt 61 Schiffe – und war dabei stets selbst in Gefahr, durch Beschuss und Bomben zerstört, von Schiffen gerammt oder von Netzsperren versenkt zu werden.
Als sich im Oktober 1918 abzeichnete, dass das deutsche Marinecorps seine Stellungen in Flandern nicht mehr halten konnte, mussten die Stützpunkte in Belgien geräumt werden. Viele U-Boote wurden zunächst in deutsche Häfen verlegt, von wo aus man sie nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 an die Alliierten auslieferte, zum Beispiel nach Harwich in Großbritannien. UC 71 wurde zunächst nach Wilhelmshaven gefahren, von dort vermutlich in den U-Boot-Hafen Helgoland verlegt. Als es am 19. Februar 1919 als eine der letzten Einheiten nach England überführt werden sollte, sank es unter mysteriösen Umständen südwestlich der Einfahrt des Hafens – angeblich wegen des schlechten Wetters.
Die Existenz des Wracks von UC 71 etwa 800 Meter vor der Hafeneinfahrt südwestlich von Helgoland war den für die Sicherheit des Seeverkehrs zuständigen Beamten beim Wasser- und Schifffahrtsamt bereits bekannt. Dennoch dauerte es Jahrzehnte, ehe man nach aufwendigen Vorbereitungen im Jahre 2014 mit der Erforschung beginnen konnte. Seitdem ist es regelmäßig von Forschungstauchern unter der Leitung des Unterwasserarchäologen Florian Huber (submaris, Kiel) dokumentiert worden. Alle Unterwasserfotos in der Ausstellung stammen von diesen Kampagnen.
Wegen seines außergewöhnlichen Schicksals und der speziellen Bauweise ist das U-Boot historisch von großer Bedeutung. Es steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Doch nach über 100 Jahren in der hochdynamischen Nordsee zerfällt das 50 Meter lange Wrack unaufhaltsam. Spezialisten aus Finnland, Schottland und Kiel haben deshalb das Wrack mittels Fotogrammmetrie gescannt. Die Taucher um Huber filmten jeden Winkel des Boots, das in rund 23 Metern Tiefe liegt, mit hochauflösenden Kameras. Aus den Videoclips wurden später rund 30.000 Einzelfotos extrahiert, die anschließend zu einem digitalen Modell verrechnet wurden. Das hier präsentierte Modell wurde auf der Grundlage dieser Daten im 3D-Druckverfahren hergestellt und von Lars Groeger, einem Visual Effects Artist bei internationalen Filmprojekten, aufwendig in Szene gesetzt.
Ihr Besuch
Öffnungszeiten
Ab dem 15. März 2026 bis zum 01. Oktober 2026
täglich geöffnet von
11 Uhr bis 16 Uhr
Eintrittspreise
Erwachsene 6, - €
(ermäßigt 5, - € für Gruppen ab 10 Personen)
Kinder bis 14 Jahre 3,50 €
(ermäßigt 2,50 € für Gruppen ab 15 Kinder)
Familienticket 16, - €
(Zwei Erwachsene, bis zu drei Kinder bis 14 Jahre)
Bunkeranlagen
Der Zivilschutzbunker
Bunkerführungen
Teilnahmepreis: 14, - €
(Sonderkonditionen für Schulklassen)
Der Bunkerstollen
Öffnungszeiten
täglich, 9 bis 19 Uhr
Eintrittspreis: 7, - €
(ab 14 Jahre)
Kinder 10 bis 13 Jahre: 4 , - €
(unter 10 Jahren und in Begleitung ist der Eintritt frei)
Lung Wai 214,
Unterland (am Fahrstuhl zum Oberland)
Barrierefreiheit
Das Museumgelände ist teilweise nicht barrierefrei.